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Aktualisiert 3.9.2010

 

 

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Alraune (Mandragora officinarum) 
Gemeine Alraune (Mandragora officinarum)

Die Alraunen, auch Galgenmännchen, Erdmännchen, Dollwurz oder Drachenpuppe genannt, gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die Gattung Mandragora umfasst vier Arten. Hier soll die Rede speziell von der Mandragora officinarum sein, der gemeinen Alraune. Der Name Alraune stammt von einer altgermanischen Seherin namens Alruna. Dieser Ausdruck leitet sich ab von alb (Alb, Mahr, Faun) und runen (leise sprechen, heimlich flüstern). Die Gemeine Alraune kommt in Europa vor allem in Norditalien, Kroatien und Bosnien vor. Sie bevorzugt trockene, sonnige bis halbschattige Standorte auf leichtem Sandboden. So ist sie vor allem auf brachliegenden Feldern und Schuttplätzen anzutreffen. Alraunen sind giftig und enthalten psychoaktive Alkaloide, unter anderem Atropin, Scopolamin und Hioscyamin. Ein Extrakt aus der Alraune wurde früher als Narkotikum bei Operationen und als halluzinogene Droge genutzt. Heute ist die Alraune in Europa als Heilpflanze nicht mehr von Bedeutung. Von einem Gebrauch ist auch dringend abzuraten. Die Vergiftungssymptome sind unter anderem Herzrasen, Schüttelfrost, Fieber, Erbrechen und Durchfall sowie Bewusstlosigkeit bis hin zu Tod durch Atemlähmung. Es können auch irreversible Schäden wie Gedächtnisverlust und Verhaltensstörungen auftreten. Durch die Harry Potter Romane von Joanne K. Rowling hat die Alraune in unserer Zeit wieder an Bekanntheit als Zauberpflanze gewonnen. Unzählige Geschichten ranken sich um die Wirkungen und die Eigenschaften dieser mythischen Pflanze. Ein paar sollen hier erwähnt werden. Schon seit der Antike wird die Alraune wegen ihrer besonderen menschenähnlichen Wurzelform als Zauberpflanzen eingeschätzt. In einigen Rezepten für angebliche Hexensalben ist sie als Zutat erwähnt. Im antiken Griechenland wurde die Alraune als Aphrodisiakum erwähnt. Die Früchte der Alraune waren der Liebesgöttin Aphrodite geweiht, die deshalb auch den Beinamen Mandragoritis, Göttin der Alraune, trug. Bei der Ernte sollte die Pflanze dreimal mit einem Schwert umkreist werden. Ausgraben musste man sie mit nach Westen gerichtetem Gesicht. Gleichzeitig sollte eine andere Person im Kreis tanzen und die Liebeskraft besingen. Laut mittelalterlichen Beschreibungen fand sich die Wurzel oft mit Hilfe eines schwarzen Hundes. Die Alraune ist vor allem unter einem Galgen oder Baum gewachsen, an dem ein Dieb aufgehängt war. Das Wachstum der Alraune wurde vom Urin und Sperma des Gehängten gefördert. Für eine erfolgreiche Ernte hat man auch die Mitternachtsstunde zur Johannisnacht bevorzugt. Je nach Überlieferung hat der Schrei, den die Alraune beim Ausgraben ausgestossen hat, zum sofortigen Tod oder in den Wahnsinn aller Anwesenden geführt. In diesem Zusammenhang musste man die Ohren mit Baumwolle, Pech oder Wachs verstopfen und erst drei Kreuze über der Alraune schlagen. Danach den Hund, an dessen Schwanz die Pflanze befestigt wurde, diese aus dem Boden ziehen lassen. Nach anderen Sagen konnte man die Alraune nur besitzen und nutzen, wenn man ein Bündnis mit dem Teufel einging. Ab dem 16./17. Jahrhundert gehörte die Alraune zu den begehrtesten pflanzlichen Talismanen gegen bösen Zauber und Verwundungen aller Art. Auch hatte die Alraune die Kraft, ein Geldstück, das man zur Alraune legte, zu verdoppeln. Die Frucht der Alraune, auch Liebesapfel genannt, sollte einen Mann verleiten, sich zu verlieben, wenn er diese Frucht am St. Agnes Abend überreicht bekommen hat. In dieser Zeit wurde in Europa mit falschen Alraunenwurzeln wie die des Tormentills, des Wegerich oder des Knabenkrautes ein reger Handel betrieben. Oft wurden sie mit dem Schnitzmesser bearbeitet, damit sie als echte Alraunen wirkten. Flavius Josephus, ein jüdischer General, Diplomat und Geschichtsschreiber, der von 37 bis 100 n. Chr. gelebt hat, berichtet von einer wundersamen Pflanze, die nachts ein leuchtendes rotes Licht ausstrahlt. Um an sie heranzukommen, müsse man sie mit Urin oder Menstruationsblut übergiessen, ansonsten zöge sie sich sofort zurück. Hier ist die Behauptung des Leuchtens nicht ganz unbegründet. Unter bestimmten Wetterbedingungen kann es vorkommen, dass sich kleine chemische Teilchen aus dem Nachttau und der Oberfläche der Beeren verbinden und einen schwachen Lichtschimmer erzeugen. Ein ähnliches Phänomen kann man im Norden in warmen Sommernächten bei Blaubeeren beobachten. Alraunen sind mehrjährige Pflanzen. Die dicke, fleischig-knollige Wurzel kann 50 bis 100 cm lang werden. Die dunkelgrünen Blätter mit runzliger Oberfläche und gekräuseltem Rand sind in einer stängellosen Blattrosette angeordnet. Die Blätter selber können bis 60 cm lang werden. Die Höhe der Pflanze liegt bei 30 bis 40 cm. Während der Reife der Beeren beginnen die Blätter zu welken und verdorren. In den Wintermonaten ist von der Alraune oberirdisch nichts zu sehen. Es ist möglich, dass sich die neuen Blätter im Frühling erst spät bilden, weil die Vegetationsphase erst im Frühsommer einsetzt. Die Blüten erscheinen von März bis Mai, sind violett oder gelb und glockenförmig. Die Früchte sind etwa pflaumengross, kugelig und gelb bis orange. Hat man eine Alraune im Topf, sollte er genügend gross und tief sein, der Wurzeln wegen. Ausgepflanzt wird die Pflanze im Herbst, mit einer dicken Schicht Laub abgedeckt, um sie vor Kälte zu schützen. Stehende Nässe mag sie überhaupt nicht. Der Boden sollte durchlässig humusreich und mit einem Anteil Sand versehen sein, der Standort sonnig bis halbschattig. Ein Umpflanzen nimmt einem die Alraune oft sehr übel. Sie verkümmert und geht ein. Kommt man nicht darum herum, genügend Erde um die Wurzeln herum mitverpflanzen. 

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