Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria)

Der Flaschenkürbis, auch Kalebasse genannt, ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. 2002 wurde sie zum Gemüse des Jahres gewählt. Als ursprüngliche Heimat wird Afrika vermutet. Die Verbreitung in andere tropische und subtropische Länder fand vermutlich durch die Früchte statt. Sie können ein Jahr lang im Salzwasser schwimmen, ohne dass die Samen ihre Keimkraft verlieren. Heute wird die Art Lagenaria siceraria in 2 Unterarten unterteilt: die afrikanische und amerikanische mit all ihren Sorten und die asiatische mit ihren verschiedenen Formen. In Amerika und Thailand scheint der Flaschenkürbis bereits 7000 v. Chr. genutzt worden zu sein. In Ägypten spätestens 2500 v. Chr., in China 2000 v. Chr. und in Gebieten Afrikas stammen die ältesten Funde von 1000 v. Chr. Von da aus kam er in den europäischen Mittelmeerraum. Von den Römern Cucurbita genannt, fand die Bezeichnung später Verwendung für die ganze Gattung der Kürbisse. Flaschenkürbisse sind einjährige Kletterpflanzen, deren Sprosse eine Länge von 10 m erreichen können. Der Stängel ist kantig. Die Ranken sind zweiteilig. Die Blätter sind gross, herzförmig und beidseitig dicht behaart. Ihr Geruch wird meist als unangenehm empfunden. Er stammt von zwei Sekretdrüsen, die sich an der Übergangsstelle vom Blattstiel in die Blattspreite befinden. Männliche und weibliche Blüten wachsen getrennt auf einer Pflanze. Die Blüten sind einfach mit fünf weissen Blütenblättern und sitzen auf einem langen Blütenstiel. Die Blüten öffnen sich nachts und werden durch Motten, Gurkenkäfer und andere Insekten bestäubt. Sie verströmen einen angenehmen, nach Moschus riechenden Geruch. Die Früchte sind sehr unterschiedlich in Form, Farbe und Grösse: breit kugelig, birnen- oder keulenförmig, kellenförmig oder zylindrisch. Die Früchte der kleinsten Sorten sind knapp 5 cm gross; die grössten können bis 3 m lang werden. Die Farben sind hellgrün bis weiss, im Alter meist hellbraun. Junge Früchte sind behaart, im Alter werden sie kahl. Die Schale der reifen Frucht ist hart und verholzt. Sie ist somit sehr haltbar und wasserdicht. Das Fruchtfleisch ist weisslich und wässern, ohne starken Eigengeschmack. Bei den afrikanisch-amerikanischen Typen ist es meist bitterlich und die Schale ist dick und früh reifend. Asiatischen Sorten sind nicht bitter. Die Schale ist eher dünn und die Früchte später reifend. Die Samen sind gross, braun mit korkiger Schale und gefurchter Gestalt. Die der afrikanisch-amerikanischen Formen sind viereckig, die der asiatischen Sorten dreieckig. Der Anbau findet hauptsächlich in sonnigen, halbtrockenen Tieflagen statt. In den Tropen gedeiht er ebenfalls, wenn der Boden gut entwässert ist. Bei einem Anbau unter Glas muss von Hand bestäubt werden, um einen guten Fruchtansatz zu erhalten. Sorten mit langen Früchten werden an Spalieren gezogen. Unreife Früchte können 60 - 90 Tage nach der Aussaat geerntet werden. Bis zur Reife dauert es einen Monat länger. Das Fruchtfleisch unreifer Früchte wird gekocht als Gemüse verwendet, oft auch in Currys. In Japan wird das Fruchtfleisch der Sorte „Yûgao“ in Streifen geschnitten und getrocknet als essbare Hülle für Fingerfood verwendet. Werden die Samen gemahlen, können sie zu einer Art vegetabilem Quark verarbeitet werden. Die geschälten Kerne sind sehr ölhaltig und schmecken gut in Suppen und Brot. Neben dem Fruchtfleisch können auch junge Blätter und Sprossen gegessen werden. Bei den reifen Früchten findet die Schale als Gefäss zum Aufbewahren von Nahrung und Wasser Verwendung. In Kenia dienen sie ausserdem als Melkeimer, in China wurden sie früher als Terrarien für Grillen genutzt. In Neuguinea und Südamerika fanden sie Verwendung als Penisfutterale. Unabhängig vom Ort wurden viele Kürbisse mit Schnitzereien verziert oder mit glühenden Holzstäben Muster eingebrannt. Der Flaschenkürbis wird auch zum Bau von Musikinstrumenten wie Rasseln, Trommeln oder Saiteninstrumente verwendet. Weltweit existieren über 60 verschiedene Instrumente, die aus dem Flaschenkürbis hergestellt werden. In der Volksmedizin hatten Flaschenkürbisse vor allem in Asien eine grosse Bedeutung. Die ausgekochten mit Zucker vermischten Blätter werden in Indien gegen Gelbsucht verwendet. Harntreibend, als Brechmittel, oder Fieber senkendes Mittel fanden die reifen Früchte ihren Nutzen als pflanzliches Heilmittel.
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