Alant (Inula helenium)

Der echte Alant gehört zur Familie der Korbblütler. Die deutschen Namen sind je nach Region unterschiedlich. Darmkraut, Glockenwurz, Helenenkraut, Schlangenkraut oder Odinskopf sind einige Beispiele. Die botanische Bezeichnung von Alant ist Inula helenium. Die Artbezeichnung helenium verweist auf zwei Legenden der Antike. In der einen soll Helena bei ihrer Entführung durch Paris nach Troja ihre Hände mit den Blüten dieser Pflanze gefüllt haben. Nach der anderen Legende wuchs dort, wo Helenas Tränen den Boden benetzten, der Alant. Ebenfalls in Verbindung mit dem Namen helenium werden die griechischen Bezeichnungen für Sonne (= helios), kleiner Korb (= helenion, helene) oder Wiesengrund (= helos) gebracht. Sie beziehen sich alle auf die Blütenform. Die Heimat des Alant ist Kleinasien bis Zentralasien. Er ist heute in ganz Europa verbreitet. Alant ist eine uralte Heil- und Gewürzpflanze, die schon in der Antike Verwendung fand. Im Volksglauben galt Alant als Dämonen abwehrende Pflanze und als Mittel gegen die Pest. Alant ist eine alte bis 2 m hohe mehrjährige krautige Bauerngartenpflanze. Der behaarte Stängel verzweigt sich im oberen Teil. Bis die Pflanze die volle Höhe erreicht und die ersten Blüten macht, dauert es in der Regel 3 Jahre. Die goldgelben bis 7 cm grossen Blüten erscheinen von Juli bis September und stehen einzeln oder in endständigen lockeren Doldentrauben. Sie haben die typische Form der Korbblütler: eine Blütenscheibe mit vielen kleinen Röhrenblütchen, am Rand von Strahlenblüten umgeben. Sie wirken ein wenig wie vom Wind zerzaust. Die bis zu 50 cm langen gestielten spitzovalen Grundblätter sind auf der Blattunterseite mit filzigen Haaren bedeckt. Die Blätter am Stängel sind ungestielt und wechselständig. Der Blattrand ist unregelmässig fein gezahnt. Die Wurzeln sind knollig verdickt. Der kräftige Wurzelstock verströmt einen aromatischen Geruch, in frischem Zustand nach Bananen, getrocknet nach Veilchen. Der Alant enthält viel Inulin, ein dem Fruchtzucker ähnliches Kohlehydrat. Der Alant bevorzugt halbschattige bis sonnige Standorte mit leicht feuchtem nahrhaftem Boden. In der Natur steht er oft an Waldrändern, in feuchten Wiesen und an Bachufern. Im Garten lässt er sich auch am Gehölzrand oder in der Staudenrabatte als imposante Solitärstaude verwenden. Bei einer Allergie kann die Pflanze bei Berührung starke Hautausschläge verursachen. Früher fand Alant häufig in der Küche Verwendung: die Wurzel mit ihrem bitter-harzigen Geschmack zum Würzen von Süssspeisen und Magenbitter. Auch kandierter Alant galt lange Zeit als Leckerbissen. Da viele Menschen allergisch auf Alant reagieren, findet er heute fast nur noch in Likören Verwendung. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit verwendete man Alant, zusammen mit anderen Pflanzen auch, um die Zimmerluft zu erfrischen. Auf die offene Glut in den Kaminen gelegt verströmte die Pflanze seinen charakteristischen Geruch. Ebenso war der Alant als Heilpflanze sehr geschätzt. Theophrast, Dioskurides und Plinius empfahlen diese Pflanze unter der Bezeichnung Helenion in ihren Werken gegen Husten, Krämpfe, Blähungen und Magenschwäche. Meistens findet die Wurzel Verwendung. In der Volksmedizin werden jedoch auch das Kraut und die Blüten benutzt. Im Mittelalter galt Alant als Allheilmittel und wurde vor allem in Form des Alantweines, Potio Paulina genannt, eingenommen. Bei Einnahme zu grosser Mengen kann Alant zu Erbrechen, Durchfall, Krämpfen und Lähmungen führen. Wegen der schleimlösenden Wirkung ist Alant auch heute noch Bestandteil vieler Hustenmittel.
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