Ahorn (Acer)

Der Ahorn zählt erdgeschichtlich zu den ältesten Blütenpflanzen. Er entwickelte sich vor etwa 70 Mio. Jahren, zur Zeit, als die ersten Säugetiere auftraten.
Kulturgeschichtlich soll früher der Ahorn in vielen Gebieten einen wirksamen Schutz gegen Hexen geboten haben. Ahornzweige am 24. Juni an Türen und Fenstern angebracht sollten auch vor Blitzschlag schützen. Eine weitere Überlieferung besagt, dass das Begiessen der Wurzeln zur Erfüllung eines Wunsches diente. In der Volksmedizin wurden mit den am 24. Juni, dem Johannistag, gepflückten und als Tee zubereiteten Blättern alle Arten von Wunden behandelt. Eine Berühmtheit als Baum ist der Bergahorn zu Trun im Kanton Graubünden. Unter ihm wurden am 16. Mai 1424 der Obere oder Graue Bund geschworen. 1870 ist dieser Ahorn einem Sturm zum Opfer gefallen. An derselben Stelle pflanzte man eine junge Pflanze, die aus dem Samen des alten gezogen wurde. Auch dieser Ahorn ist heute schon weit über 100 Jahre alt. In der kanadischen Flagge ist das Ahornblatt Symbol für die ausgedehnten Wälder des Landes, und in China steht der Ahornbaum als Sinnbild für Amtswürde. Die Gattung Acer besteht aus ca. 150 Arten. Lange hat man die Ahorne der Familie der Ahorngewächse (Aceraceae) zugeteilt. Nach neuesten Erkenntnissen gehören sie zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). In Europa sind nur wenige Arten heimisch. Als einheimisch gelten der Bergahorn (Acer pseudoplatanus), der Spitzahorn (Acer platanoides und der Feld-Ahorn (Acer campestre). Die meisten Arten stammen aus Asien und Amerika. Der Name Acer kommt aus dem lateinischen und bedeutet scharf, spitz und hat Bezug zur Form der Blätter. Auch in Orts- und Flurnamen wird Ahorn oft verwendet. Im Oberwallis entspricht das Wort „Agam“ und in französischen Gebieten das Wort „ayer“ dem Wort Ahorn. Ahorne sind sommergrüne Sträucher oder Bäume. Die meisten Arten haben handförmig gelappte Laubblätter. Es gibt aber auch solche mit gefiederten Blättern wie der Eschenahorn (Acer negundo). Neben den grünlaubigen Arten finden wir beim Ahorn verschiedenste Ausfärbungen des Laubes, von grüngelb, über zwei- bis dreifarbig mit weiss-grün-rosa zu rot und purpur. Im Herbst färben sich die Blätter je nach Art von gelb bis rot und bieten ein prachtvolles Schauspiel. In Kanada und den USA sind diese Färbungen durch das häufige Vorkommen des Zuckerahorns besonders ausgeprägt, und man kennt in diesem Zusammenhang den Begriff Indian Summer. Hier ist zu sagen, dass sich diese Bezeichnung ursprünglich nicht auf die Färbung der Bäume, sondern auf zu warme Herbsttemperaturen bezogen hat. Die Blüten sind fünfzählig, je nach Art grünlich-gelb oder rötlich. Die Früchte sind so genannte Spaltfrüchte und haben die Form von zwei aneinander haftenden aerodynamischen Flügeln. Beim Herunterfallen entsteht dadurch eine Rotation, die zu einer grossflächigen Verteilung des Samens durch den Wind führt. Ahorne sind Flachwurzler und entsprechend empfindlich auf Bodenverdichtung. Die Standortansprüche und die Verwendung der Ahorne ist je nach Art sehr unterschiedlich. Vom bis 30 m hoch werdenden Spitzahorn, der wegen seiner Grösse nur als Parkbaum gepflanzt wird, bis zu den schwach wachsenden japanischen Ahorn-Sorten, die in fast jedem Garten oder auch auf der Terrasse in einem Trog Platz finden, ist das Spektrum sehr breit. Viele Arten eigenen sich auch für die Kultur als Bonsai. Als Holzlieferant sind Ahorne sehr bedeutend, bei uns vor allem der Berg- und der Spitzahorn. Das Holz ist gelblich bis weiss, besitzt eine feine und gleichmässige Textur und wird insbesondere im Möbelbau und im Innenausbau, aber auch zur Herstellung von Musikinstrumenten, Küchengeräten und Spielsachen verwendet. Ebenso gerne wird es von Drechslern, Schnitzern und Bildhauern verwendet. In Nordamerika wird aus dem Saft des Zuckerahorn (Acer saccharinum) Ahornsirup hergestellt. Das Laub des Feldahorns wurde nicht nur als Zusatzfutter für das Vieh verwendet, auch der Mensch hat es, wie Sauerkraut eingestampft und vergoren, gegessen.
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